Der Herzog-Alexis-Erbstollen bei Mägdesprung


 

Mundloch des Herzog Alexis Erbstollen

Foto: J. Fricke (2012)

Weit weniger bekannt als der Oberharzer Bergbau ist das Unterharzer Gangrevier um die Orte Harzgerode, Neudorf und Straßberg. Die Erzgänge in diesem Revier beinhalten neben den Buntmetallen Blei, Zink und Silber auch Flussspat und Eisenerz. Erste bergbauliche Versuche gehen hier auf das 9. Jahrhundert zurück.

Seit 1035 wurden in Harzgerode Münzen geprägt. Die Silbergewinnung dort florierte dann ab der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Die Fürsten von Anhalt, auf deren Gebiet sich Harzgerode und Neudorf befanden (Straßberg lag im Fürstentum Stollberg), erließen 1499 und 1508 Bergfreiheiten um den Bergbau zu beleben. Bergfreiheiten waren besondere Privilegien für die dort tätigen Bergleute. 1546 endete diese Periode aufgrund der Auswirkungen des Schmalkaldischen Krieges, der zwischen Kaiser Karl V und den protestantischen Fürsten und Städten ausgefochten wurde.

Die zweite Bergbauperiode begann 1690. Innerhalb kurzer Zeit wurden über dreißig Gruben angelegt sowie 1692 die Silberhütte (im gleichnamigen Ort) im Selketal. Die wichtigsten Lieferanten für die Silberhütte waren Anfang des 18. Jahrhunderts dann die Gruben "Hoffnung Gottes" (bis 1714 "Das verhoffte Glück") und "Fürstin Elisabeth Albertine" bei Harzgerode. Mitte des 18. Jahrhunderts folgten noch die bedeutenden Gruben "Pfaffenberg" und "Meiseberg" bei Neudorf.

Ein dauerhaftes Problem aller Gruben war jedoch die Wasserhaltung, die anfangs durch wasserbetriebene Pumpenkünste und ab dem beginnenden 19. Jahrhundert durch Dampfpumpen gelöst wurde. Trotzdem war die Tiefe der bisherigen Wasserlösungsstollen ungenügend.

Bergrat Johann Ludwig Carl Zincken (1791-1862), der 1821 Direktor der "anhalt-bernburgischen Berg- und Hüttenwerke" wurde, schlug 1829 vor, die Wasserlösung der Reviere um Harzgerode und Neudorf durch einen neuen Wasserlösungsstollen vorzunehmen. Dieser Stollen sollte im Selketal nahe Mägdesprung angesetzt werden.

Am 22. April 1830 begannen die Arbeiten am Herzog-Alexis-Erbstollen. Dieser wurde in weitgehend gerader Linie auf die Grube "Hoffnung Gottes" nördlich von Harzgerode ausgerichtet. Ein erstes Lichtloch legte man 610m vom Mundloch entfernt an. Hierdurch konnte dem Stollen Frischluft zugeführt werden. 1845 begann man im Bereich der Grube "Hoffnung Gottes" nördlich von Harzgerode mit dem Abteufen eines neuen Schachtes als 4. Lichtloch für den Stollen.  Die Frischluftzufuhr wie auch die Hebung der zusetzenden Wässer machte die Arbeit am Herzog-Alexis-Erbstollen und dem 4. Lichtloch zunehmend schwieriger. Erst 1858 konnte das 4. Lichtloch dann fertiggestellt werden und eine Dampfmaschine dort das Wasserheben übernehmen. Vom Lichtloch ausgehend wurde der Stollen nun im Gegenort (von beiden Seiten aus) aufgefahren. Der Durchschlag erfolgte dann am 26. Mai 1862. Vom Mundloch bis zur Grube "Hoffnung Gottes" hatte der Stollen nun in 32 Jahren eine Länge von 2134 m erreicht. Weitere 288 m wurden bis 1869 vorgetrieben. Dann stellte man die Arbeiten vorerst ein.

Auch auf der Grube "Pfaffenberg" bei Neudorf hatte man 1844 den Schacht "Fürst Christian" abgeteuft. Von hier aus wurden in entgegengesetzter Richtung (Gegenort) 288 m Stollen aufgefahren um später mit dem Erbstollen durchschlägig zu werden. 

Zwischen 1891 und 1893 wurden die Arbeiten nochmals aufgenommen und der Stollen um weitere 113 m in Richtung auf die Grube "Fürstin Elisabeth Albertine" verlängert. Da die Grube aber im gleichen Jahr ihren Betrieb einstellte, endeten auch die Arbeiten am Stollen, der jetzt eine Gesamtlänge von 2535 m. Das 288 m lange Teilstück der Grube "Pfaffenberg" wurde somit nie erreicht. Wäre der Stollen vollendet wurden, hätte er eine Gesamtlänge von 7,2 km erreicht. 

Der Bergbau im Harzgeröder Bereich endete wegen fehlender Erzmittel 1893, der im Neudorfer Bereich ca. 10 Jahre später. Versuche in den 1930er und 1950er Jahren den Erzbergbau neu zu beleben wurden erfolglos eingestellt. Nur wenige Relikte, von denen das Stollenmundloch des Herzog-Alexis-Erbstollens sicher das herausragendste ist, zeugen noch heute von diesem fast vergessenen Bergbau.


Quellen:

Liessmann: Historischer Bergbau im Harz, 2. Aufl.  Berlin 1997

Zerjadtke: Silberhütter Kunstgraben und Herzog-Alexis-Erbstollen, aus "Der Harz" Nr. 6, Wernigerode 1982


© Joachim Fricke 2015